Aktivistenbericht #2 Timo Kliche

photo by barney

ein dickes “Pura Vida” aus dem Projektort in San Isidro de El General , Costa Rica.
Es ist schon wieder über ein Monat seit dem letztem Bericht vergangen und so unglaublich viel ist in dieser Zeit passiert. Es ist also höchste Zeit euch ein Update zu liefern um zu berichten wie es den Freiwilligen ergeht, wie das Projekt vorankommt und was unsere aktuellen Pläne sind.

Zu aller erst verabschieden wir uns hiermit in aller Öffentlichkeit von Christian und Luise. Beide befinden sich bereits in Deutschland und aklimatisieren sich hoffentlich schnell und problemlos. San Isidro zu verlassen nach all der Zeit, Kraft, Arbeit und Emotionen, die die beiden in dieses Projekt gesteckt haben, war mit Sicherheit keine leichte Angelegenheit. Nochmal ein riesengroßes Lob an beide und an alle anderen die maßgeblich am Bau des Parkes beteiligt waren. Ihr habt ein tolles Projekt ins Leben gerufen und den Grundstein für etwas gelegt was unglaublich viel Potential hat.

Alles Gute und viel Glück beim wiedereinleben in den deutschen Alltag. Wir sehen uns in Alemania und so lange halten wir hier die Stellung!

Kommen wir zu den Projektfortschritten. Unsere ersten Englischkurse sind ausgelaufen und waren ein voller Erfolg. Wegen der grossen Nachfrage teilten wir die Teilnehmer in insgesamt drei Gruppen ein. Das Schulsystem in Costa Rica ist in zwei Blöcke aufgebaut. Manche Kinder gehen von Morgens bis Mittags in die Schule, andere wieder von Mittags bis Nachmittags. Um jedem Kind die Möglichkeit zu geben am Englischunterricht teilzunehmen, führten wir also zwei Anfängerkurse ein, die jeweils zu unterschiedlichen Tageszeiten starteten (morgens & nachmittags). Für die Fortgeschrittenen bereiteten wir eine Abendklasse vor, da einige der Teilnehmer, meist Jugendliche oder schon Erwachsene, bereits berufstätig sind. Während wir uns bei der Fortgeschrittenenklasse auf das Übersetzen von Gedichten und Liedern und aktives sprechen konzentrierten, mussten wir bei der Anfängerklasse von Null anfangen. Obwohl in der Schule Englisch gelehrt wird und einige Kinder bereits einige Jahre Englischunterricht genossen, war das Niveau erschreckend niedrig. Zusätzlich wurde im Laufe des Unterrichts klar, dass einige Kinder weder lesen noch schreiben können. Diese Kinder brauchen natürlich intensive Lernunterstützung, aber dank der relativ kleinen Gruppen war dies meist auch möglich.

Trotz aller Hindernisse wurde der Stoff sehr gut von den Kindern aufgenommen und eine Menge Spaß hatten wir während der drei Wochen auch. Dies war mein erster Einsatz als Lehrkraft und ich habe viel gelernt was die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Unterrichtseinheiten angeht.

Natürlich ruhen wir uns jetzt nicht auf unserem Erfolg aus, sondern haben diese Woche bereits mit den nächsten Englischklassen angefangen. Besonders erfreulich und erwähnenswert ist, dass Leute von ausserhalb, also Nicht-Skater auf unser Angebot aufmerksam geworden sind und zahlreich an unseren Klassen teilnehmen.
Ein weiterer Fortschritt von dem ich mir persönlich viel erhoffe, ist die zukünftige Zusammenarbeit mit einem anderen Sozial- Projekt aus San Isidro. Der „Circo Fantazztico“ ist ein Zirkus- Pädagogik- Projekt, was bereits seit vielen Jahren erfolgreich wächst und hauptsächlich von deutschen jungen Freiwilligen am Leben gehalten wird. Zur Zeit arbeiten dort über 10 Freiwillige und sind interessiert uns zu unterstützen und zu helfen. Es ist geplant einen Deutsch- Kurs und einen Alphabetisierungs- Kurs einzuführen. Mehr Einzelheiten und Details kommen sobald die Kurse anlaufen.

Zudem wird momentan ein Kunstkurs von Jack Fitzgerrald angeboten. Jack kommt aus den Vereinigten Staaten, ist ein Bekannter von Christian und wollte sich eigentlich nur Interessehalber das Projekt anschauen. Da viele Kinder großes Interesse an einem Kunstkurs äusserten und Jack und wir von der Idee ebenfalls begeistert waren, entschied er sich kurzerhand ein Konzept zu erarbeiten. Der Kunstkurs findet nun 2 mal die Woche für insgesamt 4 Wochen statt. Teil des Kurses war die Fertigstellung eines grossen Kompasses, der nun das Flat im Park verschönert. Um einen Eindruck davon zu bekommen schaut euch unbedingt die Bildergalerie an.

Doch nicht nur im Klassenraum wird geschuftet. Um die Boards zu schonen wurden die Wasserpfützen die den Park umgeben mit Kies gefüllt und die Brüstung für die Hip ist ebenfalls fast fertig gestellt. Ziel ist es den Bau der Brüstung bis zum “Manual Skateboards“ Contest am 08.12. abzuschließen. „Manual“ ist ein spanischer Skate- und Surfbrand, der sich in Costa Rica bestens etabliert hat. Wohl nicht zuletzt weil in Costa Rica beste Surfverhältnisse herrschen.
Vor Christians Abreise konnten wir den Skatepark noch ein wenig erweitern und haben ein neues Curb gebaut. Selbstverständlich wurden die Locals und Chic@s mit eingebunden und es war toll zu sehen, wie viel manche Ticos (Costa Ricaner) bereits von DIY- Arbeit verstehen. Ein weiterer Grundgedanke des Projektes ist es die Skater zu Eigeninitiative zu motivieren und Ihre eigenen Rampen zu bauen und ich glaube hier wurde schon ein grosser Schritt nach vorne begangen

photo by Christian Petzold photo by Christian Petzold

Die Kinder und auch die älteren Skater sind sehr motiviert Punkte zu sammeln, fragen fast täglich nach ihrem aktuellen Punktestand und wann wieder gearbeitet wird. Viele Chic@s haben bereits mehr als genügend Punkte auf ihrem Konto um diese in neue Bretter, Rollen oder Achsen zu tauschen. Leider ist das Stuffpaket noch nicht angekommen. Wir haben jedoch Kontakt zu Skate- Aid und zu unseren Sammelstellen in Deutschland und wissen das die Sammelaktionen in Deutschland erfolgreich waren und die Pakete bald verschickt werden. Vielen vielen Dank nochmal an alle Spender und Leute die an der Aktion beteiligt waren! Ich hoffe sehr, dass zu Weihnachten ein dickes Paket vor der Tür steht.

Eine weitere tolle Idee die auf seine Organisation und Durchführung wartet, ist ein Surf- und Skate-Camp. Durch einen Zufall lernte ich Aben kennen, einen Local- Surfer in Dominical, der bereits vom Pura Vida Skateprojekt wusste und ein Bekannter Christians war. Er fragte ob er nicht für ein paar Tage mit einigen Kindern aus Dominical bei uns in San Isidro vorbeikommen könnte um Ihnen eine Abwechslung zum Strandort anzubieten und in ihnen das Interesse an Skateboarding zu wecken. Das brachte mich auf den Gedanken einen Austausch stattfinden zu lassen. Eine wunderbare Möglichkeit die Kinder zu vernetzen, Ihnen den geschichtlichen Bezug zwischen Surf- und Skateboardkultur zu verdeutlichen und Ihnen ein Erlebnis fernab vom Alltag zu ermöglichen.

Leider sind nicht alle News so erfreulich. Bei einem Wochenendausflug vor einigen Wochen wurde Barney in einem Linienbus dreist beklaut. Kamera, Laptop, Reisepass und Geldbörse wurden hierbei entwendet. Jackpot für den Dieb. Die Leidtragenden sind natürlich Barney, aber auch das Projekt. Barney hat besonders an seiner Kamera gehangen und der Laptop enthielt unglaublich viele wichtige persönliche Daten. Auch für den medialen Output bedeutete dies mehr oder weniger das Aus. Währenddessen erlitt ich innerhalb von zwei Wochen eine Grippe und eine Lebensmittelvergiftung. Für einige Zeit herrschte eine sehr frustrierte, gedrückte und verhaltene Stimmung. Dank Versicherungsgeld konnte Barney jedoch die Kamera von Christian abkaufen, ich bin wieder topfit (Barney´s Krankenpflegerkünsten sei Dank) und unsere Stimmung ist wieder positiv gepolt.

Von den Bestrafungen, die von uns für den Verstoß gegen die Park-Regeln vorgesehen wurden, mussten wir leider auch bereits Gebrauch machen. Wegen versuchtem Diebstahl wurden bereits mehrere Kinder für eine Woche vom Betrieb ausgeschlossen. Wir wollen versuchen so wenig Strafen wie möglich zu vergeben und stattdessen die Kinder entsprechend zufördern und so ihren Defiziten oder falschem Verhalten entgegenzuwirken. In diesem Fall haben wir uns entschieden mit diesen Kindern nach der Verbannung ein Filmprojekt durchzuführen. Die Kinder sollen selber Ideen und ein Drehbuch/ Storyboard erstellen in dem ein Diebstahl im Skatepark thematisiert wird. Anschließend werden die Kinder mit der Kamera- Technik vertraut gemacht und sollen selber vor und hinter der Kamera agieren. Im Idealfall wird der Zusamenschnitt ebenfalls von den Kindern unter Anleitung durchgeführt. Neben dem Thema Diebstahl soll selbstverständlich das Skateboarding der Chic@s nicht zu knapp kommen und wird auch einen grossen Teil des Filmes einnehmen.

Wie ihr seht sind viele neue Ideen und Überlegungen entstanden, die durch unsere kleine Gruppe an Voluntären allerdings nur schwer zu realisieren sind. Wir hoffen jedoch sehr, dass durch die Zusammenarbeit mit dem Zirkus und zukünftigen Pura Vida Freiwilligen ein weitaus größeres Projekt- Angebot zu Stande kommen kann.
Jeder Tag vergeht wie im Fluge und wir kommen mit unseren ganzen Ideen und der Arbeit nur schwerlich hinterher. So viele Baustellen wie z.B. auch unsere Unterkunft, an der sich bisher nicht viel verändert hat, rücken in der Prioritätenliste immer weiter nach hinten. Hier wird einem mal wieder bewusst wie viel Arbeit hinter so einem Projekt steht und wie wichtig motivierte Freiwillige sind um dies am Leben zu halten.

Ich für meinen Teil bin sehr stolz darauf Strukturen und Ideen für dieses Projekt mitentwickeln zu dürfen. Auch wenn es bereits teilweise sehr ermüdende, frustrierende und schwere Phasen gab, die projektbezogenen und persönlichen Fortschritte sind unverkennlich.

Das war es erst mal an News aus dem wunderschönen Costa Rica. Ich hoffe ihr konntet euch einen guten Eindruck machen wie es bei uns läuft.
Bei Fragen stehe ich euch selbstverständlich jeder Zeit zur Verfügung.

Adios y Pura Vida Timo Kliche

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