Bauphase II

Buenos dias!
Hier sind wieder eure Sozialbauarbeiter aus dem sonnigen Costa Rica.

Es ist nun schon ein Weilchen her seit der letzten Meldung, was vor allem daran liegt, dass wir fast die ganze Zeit auf der Baustelle rumwuseln und abends dann auch gerne mal fix und fertig sind und keine Power mehr haben fürs Rumbloggen. Jedenfalls haben wir gut was geschafft in den letzten zwei Wochen.

Der ganze Park ist inzwischen mit Stahlmatten verlegt, was relativ schnell ging, da wir nicht allzu komplizierte Elemente mit eingebaut haben, die aufwendig mit Stahlstäben geflochten werden müssen. Das betrifft eigentlich nur die drei Corners und den halben Volcano um den Baum rum. Danach haben wir uns rangemacht und sämtliche Curbs und Ledges gemauert, wobei wir alle Bausteine, die wir noch hatten, verbaut haben. Das Mauern stellte sich zwar gerade bei den schrägen Ledges an der Funbox als etwas schwierig heraus, aber das Ganze soll ja auch keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, sondern ein brauchbarer und skatebarer Skatepark werden. Und dahin sind wir auf dem besten Wege, außerdem ist schräg das neue gerade…

Zeitgleich hat Flori reichlich Winkeleisen für die Curbs und Rohre für die Copings geschweißt, die wir relativ aufwendig aber billig mit einer hundert Jahre alten Maschine für die Corners haben biegen lassen, angeblich die einzige dieser Art in ganz Süd-Costa Rica. Nach vier Tagen Mischmaschine und Mauern konnten wir dann tatsächlich die erste Oberflächenbearbeitung an den Curbs vornehmen und mit dem Endergebnis kann man durchaus zufrieden sein, auch wenn man durchaus merkt, dass wir es hier mit anderen Temperaturen als in Deutschland zu tun haben und der Beton dementsprechend schnell anzieht, von 2cm-Steinen im Beton mal ganz zu schweigen.

Zwischendurch sind auch die über Skate Aid verschickten Pakete aus Deutschland angekommen. Mit dabei waren die Formen fürs Poolcoping, die Flori schon ausgiebig getestet hat, so dass wir an zwei Stellen am Park auch wirklich Poolcoping einbauen können. Ali hat sein Photoentwicklungsequipment bekommen und ist seitdem nach Feierabend ständig damit beschäftig, seine zahlreichen Filme zu entwickeln, die er mit seinen diversen selbstgebauten Kameras Obscuras geschossen hat, voll und ganz Künstler halt der Typ. Außerdem haben wir jetzt reichlich gebrauchte Boards, die Petzi, mit Hilfe von Gladis und Duun (VIELEN DANK!), schon in Deutschland abgeschliffen hat, so dass die Skater hier, für die sie bestimmt sind, ihre eigenen Designs darauf verewigen können bzw. sollen, alles im Rahmen von pädagogischen Workshops. Reichlich Achsen und Wheels von Skate Aid sind auch mit dabei, es wird also einige Komplettboards geben, die sich die vielen mittellosen Kids dann umsonst zum Skaten ausleihen können, wenn der Park fertig ist.

Was den Park sonst angeht, so sind wir relativ gut im Zeitplan und haben heute die erste richtige Betonfläche betoniert, nämlich das Flat von der Miniramp. Wir haben erstmal mit bescheidenen drei Kubikmetern Beton angefangen, weil wir sehen wollten, was für eine Plörre uns dann angeliefert wird, aber zumindest um die Flats zu machen ist das Ganze vorerst brauchbar und wir werden diesbezüglich die nächsten Tagen immer einen vollen Betonlaster bestellen, um Kosten zu sparen – denn jede einzelne Anlieferung kostet natürlich – und um ordentlich Strecke zu machen, damit wir möglichst bald mit den Rampen anfangen können. Ein bisschen blöd ist, das Flori uns am Donnerstag bereits wieder verlässt, sprich nach Hause fliegt und uns dann ein wichtiger Mann fehlt, wo wir doch sowieso schon ziemlich unterbesetzt sind. Außerdem, wer soll sich dann immer um die zahlreichen und spontan auftretenden Macken von unserem Auto kümmern, das eigentlich schon nicht mehr die Bezeichnung Auto verdient. So müssen wir uns, bis die nächsten Helfer am 9. März kommen, ordentlich ranhalten und die Locals noch wesentlich mehr mit einbinden, denn bis auf Adolfo, Roberto, Oskar und William halten die sich nach wie vor ziemlich bedeckt, was zuverlässige Hilfe angeht. Allerdings sind die meisten auch immer bis fünf Uhr in der Schule und außerdem waren gerade heute auch ein paar Jungs am Start, die wir noch nicht kannten und zum Beispiel Elliot und Diego haben sich als durchaus hilfsbereit und einsatzfähig erwiesen. Es geht jedenfalls munter weiter, allerdings haben wir den anstrengendsten Teil des Unternehmens jetzt erst noch vor uns und die nächsten drei Wochen werden hart, weil die Sonne geht auch ganz schön auf die Birne beim Arbeiten.

Aber wir wollen uns nicht beschweren, denn immerhin haben wir dieses Traumwetter, während ganz Europa sich immer noch den Frühling herbeisehnen muss. So gab es auch am Wochenende zwei kleine Roadtrips für uns zum Runterkommen. Petzi und Flori sind mit Adolfo und Ricardo sowie drei Graffiti-Sprühern aus San José zu einem Skate/BMX/Graffiti-Happening zwei Stunden nördlich von San José gefahren, wo ein Skater sich einen verrückten Park in den Garten des elterlichen Anwesens gebaut hat, checkt die Photos davon! Samstag hat es da leider hauptsächlich geregnet, aber Sonntag konnte Petzi dann sogar den Contest in seiner Starterklasse, den ‚profesionales’ gewinnen. Waren zwar nur vier Starter, aber immerhin, er ist jetzt um 35.000 Colones, in etwa 50,- Euro, reicher.

Der Rest der Bande ist mal wieder an den Strand gefahren, und zwar etwas weiter nach Süden nach Uvita, wo das Wasser Badewannentemperaturen hat, die Wellen großartig sind und Affen in den Bäumen rumklettern. Abends haben wir dann Antonio Rama kennengelernt, Brettsportler und Lebenskünstler der etwas verrückteren Art, der vor ein paar Jahren in Uvita einen kleinen Skatepark aus Beton gebaut hat. Der Typ ist schwer in Worte zu fassen, obwohl er die wahnsinnigsten Geschichten erzählt hat und nächsten Freitag spielt er in Uvita mit seiner Band. Eigentlich kommen wir nicht drum herum, uns das rein zu ziehen, denn der Typ ist unglaublich und dementsprechend dürfte auch die Musik sein, schließlich hat er zwischendurch u. a. auch ein paar Freestyles raus gehauen. One banana, one banana, one banana, one banana, six foot, seven foot, eight foot – punch!

Es gibt hier also ziemlich schräge Vögel und interessante Menschen in Costa Rica, wir sind somit alles andere als fehl am Platz und in bester Gesellschaft und so werden wir demnächst wieder berichten, was die Fortschritte im Skatepark und andere unvorhersehbare Ereignisse angeht. Das ist das wahre Leben – pura vida!

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