Bauphase IV

Moin Moin!
Entschuldigt bitte die Blog-Verspätung, aber die letzten zwei Wochen verliefen nochmal äußerst hektisch und ereignisreich, so daß wir tatsächlich keine Zeit fanden, uns um den Blog zu kümmern.

Deswegen verlieren wir jetzt auch keine Zeit und berichten ratz fatz, was alles so vorgefallen ist. Am 10. März hatten Petzi und Luise sich also morgens aufgemacht nach San José, um die Verstärkung abzuholen, die an besagtem Wochenende nach und nach eintrudelte. Samstagabend kam Luise dann lediglich mit Gabriel Engelke und Alex Irvine im Gepäck wieder, denn Hjalte hatte dummerweise seinen Flug verpaßt und der Rest sollte erst später eintreffen. Jan Kliewer landete dann noch Samstagabend und verbrachte die Nacht mit Petzi in San José, um Sonntag Chet Childress und Al Partanen einzusammeln. Deren Flug hatte natürlich prompt eine satte Verspätung und dann waren auch noch ihre Taschen verschwunden, auf die man ein paar Stunden vergeblich wartete, so daß sie alle erst spät am Sonntagabend in San Isidro auftauchten und unser Lagerfeuer im Garten bereicherten, wobei vor allem Al und Chet für Stimmung sorgten. Zum Glück wartete am nächsten Tag ein Haufen Arbeit in Form von drei Kubikmetern Beton auf uns.

Montags ging es also darum zu beweisen, daß man nicht umsonst gekommen war, und alle packten nach bestem Wissen und Gewissen mit an, und es war sehr hilfreich, reichlich Hände mehr zum Helfen zu haben, die dann auch noch die gleiche Sprache sprechen bzw. wenigstens Englisch. Wir waren uns sicher, die Woche durchziehen zu können, und setzten uns zum Ziel, bis Freitag die letzten Flächen plus das zusätzliche kleine hintere Stück fertigzukriegen. Al und Chet wollten dort unbedingt noch eine Vert-Wall bauen und auch die anderen brachten sich mit zusätzlichen Rampenideen ein, was die Alteingesessenen etwas irritierte, schließlich wollten wir einfach nur noch fertig werden und waren echt geschafft von fünf Wochen Baustelle. Die meiste Arbeit hatten wir ja schon erledigt und der zu drei Vierteln fertige Park, war schon das ganze Wochenende über von bis zu 50 Kids und Skatern, die es einfach nicht abwarten konnten, ausgiebig getestet und als sehr gut befunden worden.

Wir hauten also rein und zum Glück und mit Hilfe von Henriks Spanischkenntnissen gab es bereits am Montagabend schon eine Wiedervereinigung mit Al`s und Chet`s Taschen, was sehr gut für uns war, schließlich hatte Al noch ein paar Kellen mitgebracht, die wir dringend benötigten. Zudem konnten wir beim Bauen inzwischen auch auf diverse Locals als richtige Hilfe zählen, denn zum Ende der Baustelle hin, als alle so langsam die Früchte unserer Arbeit realisierten, tauchten nochmal ein paar neue Geischter auf wie Rico, die uns zeigten, daß es auch Ticos gibt, die richtig arbeiten können. Dienstagabend trudelte dann auch Hjalte ein und ab Mittwoch gaben wir richtig Vollgas für den Endspurt. Da konnten uns auch die ständigen Strom- und Wasserausfälle im gesamten Stadtgebiet nicht mehr aufhalten, denn tatsächlich, durch die lange Dürreperiode waren die Wasservorräte knapp geworden und so wurde in jedem Barrio jeden Tag für ein paar Stunden das Wasser abgestellt und scheinbar sicherheitshalber auch gerne mal der Strom gleich mit. Das ist so schon doof, aber noch schlimmer, wenn man selber Beton mixen muß, um Mauern für neue Rampen zu bauen, die ursprünglich gar nicht eingeplant waren. Doch kaum zu glauben aber wahr, wir haben es tatsächlich geschafft und nach zwei Truckladungen und einem richtig harten letzten Freitag konnten wir voller Freude und Stolz erstmal unser Gesamtwerk ordentlich feiern und gaben uns in diversen Sketchy Bars in San Isidro das volle Programm. Dazu muß man allerdings sagen, daß Al und Chet eigentlich seit ihrer Ankunft diesbezüglich keine Pause gemacht hatten. Die beiden haben übrigens auch ganz sportlich mit Hjalte auf der Baustelle gezeltet, so wie es sich für erfahrene Skatepros gehört. Es war jedenfalls ein knaller Abend, stellenweise nicht ganz jugendfrei.

Dementsprechend schwierig war es dann Samstagmorgen alle Mann zu versammeln und ins Taxi zu kriegen, der beste Beweis, daß Teammanger eines Skateteams mit der härteste Job aller Zeiten ist. Mit reichlich Verspätung kamen wir dann aber doch los und ließen es uns in Dominical am Strand nochmals richtig gut gehen. Der stattfindende Minirampcontest dort war zwar Hauptgrund zum hinfahren gewesen, dann aber doch eher nur Nebenprogramm. Völlig gestrauchelt vom Feiern ging dann aber natürlich trotzdem Sonntagnachmittag zurück am Skatepark die erste Skatesession in unserem fertigen Skatepark ab, die insofern den Charakter einer Demo hatte, weil sich alle anderen brav hinsetzten, um uns tollen Profis nach getaner Arbeit bei der Arbeit zuzugucken. Und Mannomann, was gingen wir ab, etwas skaten, was man selbst gebaut hat, gibt einem immer nochmal den zusätzlichen Kick…

Am Montag wurde dann noch mehr gerippt, obwohl wir eigentlich noch mit Nachbearbeitungsaufgaben ausgelastet gewesen wären, aber irgendwie hatte keiner mehr Lust und Energie und uns stört es ganz bestimmt nicht, wenn der Park seinen Ghetto-Look beibehält. Ali hatte inzwischen auch schon einen neuen Flug gebucht, der seinen Aufenthalt für zwei Wochen verlängern würde, sonst hätte er nämlich schon los gemußt. Am Dienstag war dann Al`s 40. Geburtstag und wir statteten der extravaganten und krustigen Betonhalf-/Minipipe am Sportzentrum in San Isidro einen Besuch ab, wo dann vor allem Al und Gabeb mit ihrem Können beeindrucken konnten und ordentlich Photos für den Artikel im Kingpin produziert wurden. Eigentlich wollten wir dann alle zusammen nochmal zum Strand und Al`s Geburtstag feiern, nicht umsonst war die ganze Woche euphorisch die Rede davon gewesen, sich Jet Skis auszuleihen und die Sau rauszulassen. Aber durch diverse Kommunikationsprobleme sollte das dann alles leider doch nichts werden, so daß Al, Chet, Hjalte und Gabeb sich alleine zum Strand aufmachten und der Rest in San Isidro blieb, während Petzi und Lui sich mit Stefan und Uta, ihrem nichtskatenden Besuch aus Dresden, die für eine Woche vorbeigekommen waren, in den Dschungel fuhren. Abends gab es dann nochmal eine Sause im Kommodor bei unseren Freunden von Vida Nueva mit anschließendem Kneipengang, denn schließlich sollte Arne am nächsten Tag abreisen.

Und so war es dann auch, vormittags wurde noch ein bißchen für die Dokumentation im Skatepark gefilmt und dann hieß es Abschied nehmen von Arne, der ziemlich schnell den Kampf gegen die Tränen verlor, schließlich hatte er wohl wie kein anderer im Skatepark ordentlich Schweiß und Liebe gelassen. Vielen Dank Arne Fiehl! Außerdem ging für ihn seine fünfmonatige Weltreise zu Ende und zu Hause in Hamburg wartete nicht etwa ein Zuhause, sondern sieben Monate harte Arbeit im Beton bei Minus Ramps. Aber es nützte alles nichts und so machte er sich zusammen mit Stefan und Uta gegen 15.00 Uhr auf den Weg nach San José, wo sie früh am nächsten Morgen allesamt in ihre Flieger Richtung Deutschland springen sollten. Für den Rest der Truppe sollte es dann am nächsten Tag noch auf eine kleine Skatetour durch Costa Rica gehen, aber davon berichten wir euch dann im nächsten Eintrag. Doch so viel sei schon mal gesagt: Die Hauptmission unseres ganzen Projektes, einen Skatepark für die Skater in San Isidro zu bauen, wurde erfolgreich und mit Bravour abgeschlossen. Aber hallo, es lebe pura vida!

Text: Arne Fiehl
Fotos: Christian Petzold,Gabriel Engelke

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