Ein Fingerboard-Skatepark in Perez Zeledon!? – Larry’s Finger Plaza

Als ich noch in der Schule und pubertierender Teenager war, damals in den frühen 2000ern, bin ich meinen Lehrern gewaltig auf den Keks gegangen, weil von meinem Platz aus ständig Riesen-Lärm rüber wehte und alle anderen störte. Über Bücher springend und auf Linealen slidend war die Welt des improvisierten Miniatur-Parks für mich und mein supersteiles Plastik-Tech Deck locker viel interessanter als das Gequatsche vorne vor der Tafel…

Diese Meinung hatte ich im Klassenraum allerdings allein. Das Tech Deck musste ich wegstecken, zumindest für den Moment. Ich bin dann irgendwann doch noch sowas wie erwachsen geworden. Genauso hat sich Fingerboarding weiterentwickelt. Für den ambitionierten Fingerboarder (der heute überraschend oft nicht mal selbst Skateboard fährt) sind die Plastik-Dinger der Amis witzig, aber sportlich nicht mehr zu gebrauchen. Professionelles Equipment kann heute viel mehr und kostet komplett mitunter genauso viel wie das große Vorbild. Es gibt richtig fette Skateparks, seriöse Weltmeisterschaften und sogar eine Street-Szene. Nach meinem Empfinden war und ist Blackriver Ramps und dessen Anhang mindestens in Deutschlands der größte Treiber dafür. So auch für Larry.

Larry hat sich vor Jahren beim Skaten so hart das Knie zerschossen, dass Skateboarding nicht mehr ernsthaft ging und es selbst aus Jucks schon unvernünftig war. Damals, im Skateboarding-Blutrausch, konnte er dem ganzen unmöglich den Rücken kehren. Sein Ersatz: Fingerboarding. Das ging soweit, dass er zuletzt ohne sein Berlinwood-Setup eigentlich nicht auf die Straße ging. Und in den unzähligen gemeinsamen Sessions im Berliner Blackriver-Store hat er mit seinen Fingern da Sachen veranstaltet, die ich bis heute nicht kapier geschweige denn mit meinen Wurstfingern nachmachen könnte.

Larry war es dann auch, der irgendwann, als ich meine Zeit in CR geplant habe, mit der Idee eines Fingerboard-Parks für Pura Vida kam. Sein Plan war es, mich für ein paar Wochen zu besuchen, um unter anderem den Kids einen scharfen Mini-Skatepark zu zimmern. Ich fands stark. Ich hatte Bock.

Leider spielt das Leben nicht immer fair. Larry war es nicht mehr vergönnt, CR mit eigenen Augen zu sehen. Er baut sich jetzt Rampen aus Wolken im Fingerboarder-Himmel.

Der Mini-Park musste also gebaut werden. Das untergehen zu lassen, war absolut keine Option. Doch der Weg dahin war überraschend anstrengend und langatmig. Zunächst mussten natürlich Fingerboards her. Und irgendwie konnte ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, olles Plastikspielzeug von Tech Deck dafür zu besorgen. Nichts gegen die Herrschaften aus den Staaten, aber da geht deutlich mehr. Das sahen sie Jungs und Mädels von Blackriver genauso. Eine einfache Email-Anfrage aus CR hat gereicht. Kurze Zeit später hatte ich 40 Fingerboards der Spitzen-Qualität und diverse Rails in der Hand und Seitenweise Tipps und Hinweise zum Bau eines Beton-Fingerboard-Parks im Email-Speicher. Wir konnten also loslegen. Theoretisch. Praktisch war es ziemlich mühsam, die Erlaubnis zu bekommen, neben den Park permanent einen Tisch von 2×1 Meter hinzustellen. Da an der Verwaltung des Grundstücks, auf dem der Pura Vida Skatepark steht, verschiedene Parteien beteiligt sind und in Costa Rica auch administrativ „Pura Vida!“ Lebensmotto ist, hat es sich über Monate gezogen, anfangen zu können. Nunja.

Irgendwann Anfang August haben Marco, Michel und Ich also kräftig Baumaterial gekauft und losgelegt. Ich hab die Unterkonstruktion aus Holz und Hasendraht gebaut, wir haben das Ding zum Park gekarrt, auf ein vorher gemauertes Bollwerk aus Bauziegeln gebockt und großzügig mit Beton überzogen. Glücklicherweise hat sich Johan, einer der älteren Jungs vom Projekt, um den Beton-Feinschliff gekümmert. So überrascht ich davon war, wie gut mir der Park aus Holz gelungen war – Beton ist offenbar nicht mein Baumaterial. Schließlich wetterfest angestrichen ist unser Ergebnis einfach der Hammer!

Der Park macht richtig Bock und sieht super geil aus. Jeder, der den Park dann zum ersten Mal gesehen hat, reagierte gleich: A cachete! (In diesem Zusammenhang: Wie geil!) Die Kids haben richtig Spaß dran, besonders wenn sie den Park mit einem rattenscharfen Berlinwood Fingerboard rocken können, das sie leihen oder gegen Punkte im Projekt ihr Eigen nennen können. Zuletzt waren teilweise mehr Kids um den Mini-Park versammelt, als dahinter auf Skateboards unterwegs. Nach meiner Abreise gabs sogar nen kleinen Zeitungsbericht darüber und beim Festival den ersten Contest mit den Fingern.

Am Ende bin ich unendlich froh darüber, dass wir es schließlich doch noch auf die Reihe bekommen haben, Costa Ricas ersten öffentlichen Fingerboard-Skatepark zu bauen. Und ich bin dankbar. Danke an Marco und Michel für die ganze Hilfe beim Bau, an den Circo Fantazztico dafür, dass wir die Busseta benutzen durften, um unsere Tonne Baumaterial zu transportieren. Und natürlich Danke an die Kids von Pura Vida, die tatkräftig mitgeholfen haben, allen voran Johan. Ein RIESIGES Dankeschön an Blackriver, die uns ohne zu zögern so viel Stuff geschickt haben und besonders an Timo vom Blackriver-Store Berlin, der mit sehr viel Begeisterung und Tipps zur Seite stand. Großartig.Und schließlich natürlich Danke an dich, Larry. Ohne dich hätte „Larry’s Finger Plaza“ da niemals gestanden. Irgendwie warst du wohl doch da, um was Großartiges für die Kids zu schaffen. Danke, auf welches Wolken-Rail du auch immer gerade einen Frontside Flip Hurricane knallst.

Pura Vida

Chris

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