REClaim your Brain / Lucie Freynhagen

photo by Alexander Endrullat

Die Kunst, ein unendliches Feld der Abstraktionen und des indirekten Handelns. „Reclaim Your Brain“, welche als ein Outside-In für Künstler des Rollbrettes gesehen werden kann, transferierte Fragen zur konventionellen Kunstbetrachtung in den Ausstellungsraum und bildete dabei einen Ausgangspunkt zum erweitern des eigenen Verständnishorizontes.

photo by Alexander Endrullat

Auffällig wurde das die konventionelle Kunstbetrachtung versagt, wenn das, was man als künstlerisch versteht, zur direkten Erfahrung und zum temporären professionellen Interagieren mit ausgestellten Exponaten wird. Skulptur, Malerei und Sound, alles war dabei, nur der gängige Kontext geriet ins bröckeln. Die Frage die dabei besonders in den Vordergrund rückte war, ob Kunst in ihrer Definition zwingend frei von einem konkreten Nutzen sein muss, um sich selbst noch als solche zu behaupten.

photo by Christian Petzold photo by Christian Petzold

Dort wo gängiger Weise „Kunstwerke“ zur ausschließlichen Präsentation hin gelangen, wurde ein Parkkur im Ausstellungsraum errichtet, welcher Ausgangsbasis zum „künstlerischen“ tun darstellte. Schon beim Aufbau transformierte der heilige White Cube überraschend zu einer reinen Baustelle und das museale Flair wurde unbeachtet mit Lärm beschallt und Dreck beschmutzt und dabei die „Ansehnlichkeitsorientierung“ durch Nutzungsziele ersetzt.

bifi fs walli /Lucie Freynhagen

An dieser Stelle wurde das erste Mal mit der generellen Ausstellungslogik gebrochen und das übliche Drapieren fertiger Werke um wirkliche funktionelle Absichten bei der Herstellung der Exponate erweitert. Für das allgemeine zeitgenössische Kunstverständnis wären innerhalb der Aufbauphase die Ausstellungsräume des C. Rockefeller Centers ein Paradies unendlicher abstrakter Installationen gewesen, jedoch verharrten diese keineswegs in dieser Position.

photo by Alexander Endrullat

„Kunst ist schön, aber mach was draus.“ Die Frage ob das kreative an der Kunst ja eventuell auch die bloße Einbildungskraft, was etwas Gezeigtes „sein könnte“ oder „darstellt“ ist, stand buchstäblich im Raum. Kunst passiert nicht, sie simuliert. So genommen könnte man diese Ausstellung als einen Angriff auf die konventionellen Begriffsgrenzen der Kunst verstehen und als einen Moment welcher diese erweitern kann, oder mindestens hinterfragt. Doch was ist schlecht daran wenn ein „Kunst nutzen“ über ein reines Gedankenanregen hinweg zu einem konkreten Erfahrungsmoment wird. Wenn die Skulptur fern ab von reinen ästhetischen Gesichtspunkten eine Oase des künstlerischen „agieren“ darstellt. Kann es dann noch Kunst sein?

ali walli / Photo:Christian Petzold Ali walli / Photo:Christian Petzold Ali fs walli / Photo:Christian Petzold

Ob „Reclaim Your Brain“ nun ein Versuch der Erweiterung des Kunstkontextes ist, oder ein Ausgangspunkt bildet über die Konventionen der Kunst nach zu denken ist egal, spannende Bezüge sind allemal durch diese Ausstellung eröffnet und ein tiefgründiger Blick auf das Kunstgenre des Rollbrettfahrens im normativen Kunstkosmos sowieso bis Dato extrem unterbelichtet.

Text: Lucie Freynhagen / C. Rockefeller Center
Photos: Alexander Endrulat / Christian Petzold

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