REClaim your Brain / Phillip Fischer

photo by Alexander Endrullat

Hier der Bericht von Phillip über unsere Austellung. Lest es euch durch…

SONNTAG

Alles nacheinander.
Ich und Christian bauen Skateparks in Deutschland und arbeiten seit Anfang 2014 zusammen. Auf der Baustelle in Landau hat er mir von seiner Ausstellung REClaim your Brain erzählt, die in Dresden stattfindet, seiner Heimatstadt. Er hat mich also gefragt, ob ich ihm helfen kann, ein paar Rampen in die Galerie Rockefeller Center zu bauen. Die Idee hat mir gefallen und ich habe ihm mein Versprechen gegeben, dass Ding mit ihm durchzuziehen.

Wochen später sind wir immer noch am arbeiten in Landau und Christian schon am organisieren der Ausstellung in Dresden. Es ist Samstag als ich Frankfurt verlasse, mein Wohnort zu dieser Zeit. Mein Auto packend spät in der Nacht mit allem Werkzeug, was wir brauchen, Parking Blocks, Metallrohren, Holz… Weil ich nicht sicher bin, was in Dresden passieren wird, will ich auf alles vorbereitet sein.

Am Sonntag bin ich nun also auf dem Weg nach Dresden. Christian geht nicht ans Telefon. Alter, in was für eine Situation bin ich da nur rein geraten?
Fast in Dresden angekommen, ziehen dicke dunkle Regenwolken auf, der Himmel wird schwarz, immer noch keine Antwort von Christian. Es fängt an zu schütten, donnert und blitzt und das Gefühl in meinem Magen wird auch nicht besser wenn ich mir die Straßenverhältnisse auf der Autobahn angucke.

Christian geht endlich ans Telefon. Ich komme spät nachts in Dresden an. Ohne die leiseste Ahnung wo in Dresden ich mich befinde, werde ich herzlich von Christian und seiner Freundin Luise empfangen.

MONTAG

Unser Plan ist es, um 9 früh in der Galerie zu sein, uns die Situation anzugucken, mit den Eigentümern zu reden, die sich auch als Künstler an der Ausstellung beteiligen, einen Plan zu machen und hoffentlich direkt anzufangen.
Aber was passiert? Niemand ist da. Keiner hat den Schlüssel, um das Tor zu öffnen, um zur Glerie zu kommen. Guter Start, was?! Endlich werden wir reingelassen.
Früher einmal eine alte Motorenwerkstatt befinden sich heute Ateliers in jede Ecke des Gebäudes. Maurer, Siebdrucker, Maler…die Galerie für die Ausstellung ist mehr als schön. Viereckige Fenster auf der einen Seite und an der Decke ziehen sich Stahlträger durch den Raum. Wunderschönes Licht. Überraschenderweise stand in dem Raum noch allerhand alltägliches Zeug rum, was wir nicht brauchen. Baums recycelte Holz-Minirampen-Teile, ein paar Stahlstangen und eine Europalette voll mit Betonsäcken sind schon da. Aber der halbe Raum ist voll mit einer Bar, leeren Flaschen, Stühlen…

Mittlerweile ist Mittag und wir müssen nun langsam mal loslegen, die Vernissage ist am Freitag. Mit Kaffee in der Hand fangen wir an einen Plan zu machen und haben Ideen, was wir bauen wollen und was möglich ist zu bauen in 4 Tagen. Die Idee der Ausstellung ist, soviel recycelte Materialien zu verwenden, wie möglich. Und auch so viel verschiedene Materialien wie möglich. Außerdem wollen wir das Außen und das Drinnen des Raums verbinden, so dass es drinnen und draußen möglich ist zu skaten, eine Verbindung. Sichtbar von beiden Seiten für alle Zuschauer. Ein bewegliches Obsticle, nichtbewegliche, Metall, Stahl, Glas, Holz und Beton… Ideenaustausch.

Ali fs walli / Photo:Christian Petzold

Unser Ziel ist es nun ein Rampe draußen zu bauen mit Parking Blocks oben drauf. Beton und Holz Ausfahrt. Eine Bank/Corner Kombination drinnen, Beton Bank mit einem gläsernen Wallride; Corner mit Stahlcoping; Extension mit Poolcoping. Um das bewegliche Obsticle herzustellen, wollen wir versuchen die hölzerne Minirampe in einen beweglichen Wallride zu transformieren.

Fast das ganze Bau- um Füllmaterial finden wir auf dem Gelände. Der ganze Hof ist voll mit Zeug, dass noch für das eine oder andere gebraucht werden kann.
Am ersten Tag haben wir es noch geschafft die Verschalung der Rampe draußen zu bauen und den Raum von dem ganzen unnötigen Stuff zu befreien.
Pizza füllt unsere leeren Mägen spät nachts. Ein Bier in der Bar zum Feierabend. Wir sind fertig für heute.

photo by Phillp Fischer photo by Phillp Fischer

DIENSTAG

Erste Aufgabe des Tages ist es Sand und Steine für den Beton zu besorgen. Die Betonsäcke wurden geliefert, aber die anderen Sachen mussten wir noch aus dem Baustoffhandel abholen. Mit dem Galerie eigenen Mercedes 611 fahren wir zum Baustoffhandel. Zwei Tonnen Material landen hinten im Bus. Schaufel für Schaufel, Hand für Hand, langsam.
Hey, das ist ein umgewandelter Camping-Bus ohne Bett. Wir verlieren zu viel Zeit mit diesem Spaß.

Als wir zurück in der Galerie sind und die Außenquarter füllen wollen, wird es schon dunkel. Nur ein verbeulter alter Betonmixer. Harter regen kommt runter, wir müssen ein Dach bauen, während es schüttet. Was machen wir hier eigentlich?
Endlich kommen die Trini Locals um zu helfen. Danke an Robert, Bernd, Tom, Axel, Sven, Kai, Carsten und Ali, es geht vorwärts. Eimer nach Eimer voll mit Beton finden ihren Weg in die Verschalung.

photo by Alexander Endrullat

Das hat lang gedauert, wir haben es aber auch noch geschafft, die Glasplatte aufzustellen, für den Bank/Wallride drinnen. Tonnen von Europaletten, Steinen und Kies werden verarbeitet, Füllmaterial für die Corner.

photo by Phillp Fischer

Ahh das Coping muss angebracht werden. Also fang ich an 10cm lange Stahlrohre zusammen zu schweißen. Alles Überreste von vorherigen Bauarbeiten. So haben wir ein rundes Coping ohne den Stahl biegen zu müssen. Die vielen Verbindungsstellen machen das grinden ein bisschen schwerer, etwa wie Poolcopings. Nur das es ist Metall ist, so aussieht und sich auch so anfühlt.
Es war schon lange Dunkel als wir die Außenrampe zum letzten mal bearbeiteten.
Feierabend.

MITTWOCH

Immer noch müde merken wir das der Beton nicht reichen wird für das gesamte Obsticle drinnen im Raum. Als ich anfange den Betonboden wegzustemmen, um eine Verbindung mit dem Flat herzustellen, ist der Mercedes 611 schon wieder unterwegs.

photo by Alexander Endrullat

Es ist ein kleiner Raum, die einzigen Fenster, die man öffnen kann, befinden sich im Dach. Staub überall, keine Luft zum atmen, auch mit Maske hält man es kaum aus. Wüstensturm drinnen und draußen wieder Regen.

photo by Christian Petzold photo by Christian Petzold photo by Alexander Endrullat photo by Alexander Endrullat photo by Alexander Endrullat photo by Alexander Endrullat

Carsten und Ali fangen an den hölzernen Wallride zu bauen, wissend, dass man kaum atmen kann und fast nichts sieht. Die Betonsäcke kommen an und wir haben uns entschieden diesmal drinnen an zumischen. Der Mixer ist so laut, dass man kein Wort davon versteht, was der andere sagt. Ich bin immer noch mit Stahlarbeiten beschäftigt, während Christian bereits die Corner füllt.
Concrete Voodoo, Wrestling-Masken, Metall, Bier. Wir haben eine wilde Session bis früh um 6Uhr.

DONNERSTAG

Drei Stunden Schlaf sind nicht genug, aber wir müssen aufstehen. Als wir in der Galerie ankommen fangen wir direkt an die Plattform zu gießen. Heute sind nur Christian und ich am Start. Die Anderen genehmigen sich ihren verdienten Schlaf. Wir nicht. Wir haben keine Zeit zum schlafen, morgen ist Vernissage. Schatten versteckt unsere müden Augen. Marx kommt vorbei und die Idee von buntem Beton kommt auf. Ja, warum nicht? Also fangen Vater und Tochter Marx an die Wände mit Magenta Pigmenten einzudecken. Wir bringen die Parking Blocks an der Außenquarter. Christian lädt den Mixer und füllt wieder Eimer mit Beton während ich die Verschalung für das Außenflat vorbereite.
Es ist wieder dunkel, als Sergej und Quentin aufkreuzen. Sie wollen morgen mit ihrer Arbeit anfangen.
Wir arbeiten bis tief in die Nacht.

photo by Alexander Endrullat

Zwischen der Arbeit skaten wir die Corner, was nicht so einfach ist mit Arbeitsschuhen an den Füßen. Viele Lacher folgen auf harte Slams auf dem dreckigen und staubigen Boden.
Es ist eine einsame Schlußsession, Ali ist gegangen um mit Marx die Broiler Jam T-Shirts für Samstag zu drucken und Christian hat sich seine Zehe so sehr gestoßen, dass er nicht mal mehr Schuhe tragen kann. Alles egal, wir haben nur noch 15h bis zur Eröffnung.

FREITAG

photo by Alexander Endrullat

FREITAG

Heute fangen wir zum ersten Mal etwas später an. In Anbetracht der Tage, die hinter uns liegen, ist das kein Wunder. Sergej und Quentin sind schon hart am Arbeiten. Sie errichten diese Drucke an den Wänden, große wunderschöne Wandmalereien. Christian installiert das Licht für die Session. Helfende Hände versuchen den Raum sauber zu machen, aber dieser Betonstaub wird nicht komplett verschwinden. Alles kommt hübsch zusammen. Mit ganz viel Hilfe von Ari, habe ich das fehlende Stück der Anfahrt pünktlich zur Eröffnung fertig bekommen.
Jeder, der an dem Bauprozess beteiligt war, hat spätestens jetzt den großen Verlust an Energie realisiert, aber auf der anderen Seite auch den Gewinn an Zufriedenheit.

photo by Alexander Endrullat

Die ersten Leute kommen. Skater, keine Skater, Kunstinteressierte, zufällig Anwesende, Locals. Skater aus Dresden, Leipzig, Bautzen und Berlin fahren die ersten Runden.

Petzi / photo by Alexander Endrullat photo by Phillp Fischer

Mit Staub bedeckt sind ihre schwitzenden Körper als die Session im Gange ist. Unglaublicher Krach erstickt die Musik. Sergejs Wallride Marks werden mehr und mehr, wie Kratzer, die man in die Wand ritzt. Das Bier läuft, die Musik wird lauter und die Session heißer. Plötzlich wird das Stück der Anfahrt rausgenommen. Eine harte Gap-Session beginnt.

ali walli / Photo:Christian Petzold

Es ist hart die Leute dazu zu bringen, mit dem Skaten aufzuhören, damit Sergej mit seiner Performance anfangen kann. Sich in der Ecke befindend kanalisiert er Spirits auf seine verstärkte Gitarrensaite. Er haut und kratzt mit dem Skateboard darauf rum und bringt den Raum damit zum kochen.

Große, rausfallende Augen, die schwitzenden Körper bekommen ihren Geist hypnotisiert.

Text: Phillip Fischer
Fotos: Alexander Endrullat, Christian Petzold

This exhibition was supported by Kulturstiftung Sachsen.

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