Surfcamp Dominical

Nachdem meine Zeit bei Pura Vida fast abgelaufen war, entschied ich mich für ein letztes Projekt. Ich wollte ein Surfcamp für die Kinder organisieren. Diese Maßnahme sollte, aus zeitlichen Gründen, vor allem für die tic@s zwischen 10 – 15 Jahren angeboten werden. Surfen, Skaten, Pasta, und Wasserfälle…

Surfcamp Dominical 2013!!! Vamanos…

Die geographische Lage Costa Rica´s bietet hervorragende Surfkonditionen. Der Sportart wird in vielen Teilen des Landes nachgegangen und einige Küstenstädte sind sehr stark geprägt vom Surfen. Da Skateboarding und Surfen geschichtlich stark miteinander verbunden sind, sollte die Exkursion nicht nur als erlebnispädagogische Maßnahme dienen.

Der Ausflug sollte auch den Bezug zwischen den beiden Subkulturen verdeutlichen und eine Aufarbeitung der Skateboardgeschichte als Ziel haben. Im Vordergrund stand jedoch den Kindern ein Erlebnis zu ermöglichen, welches fernab ihres Alltages war.

San Isidro de El General liegt im Süden Costa Ricas, jedoch nicht an der Küste. Die erste Überlegung war also, welcher Strand für das Surfcamp überhaupt in Frage kommen würde. Ich entschied mich für „Dominical“, ein an der Pazifikküste gelegenes Dorf, 35 km von San Isidro de El General entfernt. Dominical bietet fast das ganze Jahr über konstante Surfbedingungen und ist ein sehr beliebtes Surfrevier.

Nachdem ein geeigneter Ort gefunden war, mussten die finanziellen Mittel akquiriert werden. Die meisten tic@s des Pura Vida Skateprojektes kommen aus armen Verhältnissen und könnten einen Ausflug wie diesen nicht finanzieren. Auch der Costa- Ricanische Träger „Vida Nueva“ hatte nicht genügend Gelder zur Verfügung um das Vorhaben zu unterstützen. Durch die Kooperation und finanzielle Unterstützung der Titus Dittmann Stiftung „Skate Aid“ aus Münster war es uns jedoch möglich, dieses Projekt zu realisieren. Selbstverständlich wollten wir die Kosten des Surfcamps auf ein Minimum kürzen, um noch ausreichend Gelder für diverse andere Projekte und Ideen zur Verfügung zu haben.

Für den Transport stand uns unser treuer „Schalke“ zur Verfügung. „Schalke“ das war Barney und mein Auto. Ein Hyundai Excel, Baujahr 1990, der uns hervorragende Dienste geleistet hat und auch dieses Mal sollte er uns nicht im Stich lassen.

Um den Kindern ein besonderes Erlebnis und Abenteuer zu bieten, plante ich ein Zeltlager direkt am Strand zu errichten. Somit sollte der Bezug zwischen Natur und Surfkultur klar erkenntlich gemacht und ein atmosphärisches Setting geschaffen werden. Aus Zeitgründen war leider nur eine Übernachtung pro Camp möglich.
Während vergangener Wochenendausflüge nach Dominical, konnte ich bereits guten Kontakt zu den Eigentümern eines Hostels vor Ort knüpfen. Nachdem ich mein Anliegen dort vorbrachte, hatten wir die kostenlose Nutzungserlaubnis für die sanitären Anlagen, die Küche und mehrere Surfboards. Das Hostel lag perfekt in unmittelbarer Strandnähe und bot sich somit hervorragend an. Nochmals vielen vielen Dank an dieser Stelle an Sri und Celine aus dem Pyramis Hostel.

Vorab entschied ich mich für tic@s im Alter zwischen 10 – 15 Jahren. Wie bereits erwähnt war dies eines meiner letzten Projekte und meine restliche Zeit bei Pura Vida ließ maximal 2 Surf- Exkursionen zu. Die Anzahl der Kinder in dieser Altersklasse lag bei ca. 13 Kindern. Da eine Gruppe von 13 Kindern untragbar bei solch einem Trip gewesen wäre, entschloss ich mich zwei Gruppen zu bilden und in Abständen von mehreren Tagen jeweils mit einer Gruppe zu reisen. Die Gruppe sollte eine Anzahl von 4 – 5 Kindern nicht überschreiten und insgesamt 3 Betreuer sollten für die nötige Sicherheit und Anleitung sorgen.

Surfen geht wie skaten mit gewissen Risiken einher. Die Surfboards sind hart und gerade Longboards die zum lernen benötigt werden, sind groß und meist schwer. Bei einem unkontrollierten Zusammenprall mit dem Board, kann es durchaus zu Verletzungen wie z.B. Prellungen oder Platzwunden kommen. Eine weitere Gefahr, die vor allem in Domincal akut ist, sind natürliche Unterwasserströmungen. Je nach Gezeiten können so genannte „Rip- Currents“ auftreten. Diese können zur Folge haben, dass sowohl Badende aber auch Surfer auf das offene Meer hinausgezogen werden. Es war also unerlässlich, dass sich die Kinder in einem körperlich fitten Zustand befanden und gute Schwimmer waren. Auch der Betreuerschlüssel musste dementsprechend hoch sein, um die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten. Auch wegen dieser Risiken trafen wir die Entscheidung, dass es sinnvoll und angebracht wäre, Gespräche mit den Elternteilen zu führen.

photo:barney

Nachdem die Planung abgeschlossen war und wir den Kindern in einer Versammlung die Idee und das Konzept der Exkursion vorgestellt hatten, führte ich die Einzelgespräche mit den Elternteilen. Ich wollte ihnen ihre Ängste nehmen, über den Verlauf des Camps reden und uns ebenfalls in unserem Verantwortungsbereich absichern. Die Gespräche liefen sehr unterschiedlich ab. Viele Elternteile waren begeistert davon, wie sehr wir uns für die Interessen der Kinder einsetzen und gaben sofort ihre Erlaubnis. Andere Elternteile standen dem Trip eher skeptisch gegenüber und mussten erst durch lange Gespräche für die Idee gewonnen werden. Während der Gespräche stellte sich heraus, dass einige Kinder nicht schwimmen konnten. Leider konnten diese tic@s aus sicherheitstechnischen Gründen nicht am Surfcamp teilnehmen. Also zukünftige Pura Vida Voluntäre… Schwimmworkshops durchführen!

Nach Abschluss der Gespräche splitteten wir die tic@s in zwei Gruppen, mit jeweils drei und vier Kindern auf und gaben anschließend die Termine, Treffpunkt und Zeit bekannt. Treffpunkt war wie so oft der Skatepark im frühen Morgen.

Die Fahrt in unserem „Schalke“ verlief unproblematisch, wobei alle Kinder mit einem Betreuer im Auto vorfuhren und zwei weitere Betreuer mit dem öffentlichen Bus anreisten. Die Kinder waren bereits während der Fahrt euphorisch und freuten sich riesig auf den Strand. In Dominical angekommen wurde zu erst das Zeltlager errichtet. Anschließend machten wir die Kinder mit dem umliegenden Gelände bzw. den sanitären Anlagen vertraut und beschafften uns die Surfboards.

Zu erst klärten wir die Sicherheitsvorkehrungen, das Verhalten im Wasser und das Vorgehen während plötzlich auftretender gefährlicher Situationen. Im Anschluss folgten die Instruktionen und Trockenübungen bezüglich richtiger Surftechnik. Bevor wir das Wasser betraten, machten wir uns mit ein paar Aufwärmübungen warm. Endlich im Wasser gaben Barney, Burro, Zoe und ich Hilfestellung und wären im Notfall direkt zur Stelle gewesen. Die tic@s machten super schnell Fortschritte und alle waren in kürzester Zeit in der Lage aufzustehen und das Weißwasser zu surfen. Estephan schaffte sogar einen richtigen Drop. Untereinander tauschten sie die Bretter um kleinere bzw. größere Boards auszuprobieren. Nach etwa 2 ½ Stunden waren die Kinder, aber vor allem Dingen die Betreuer fix und fertig. Ohne Surfboard im Wasser zu stehen und hilflos den Stömungen und Wellen ausgeliefert zu sein, schlauchte sehr.

Wir ruhten uns also erst einmal im Schatten der Palmen aus und teilten unser Mittagessen untereinander. Nach der kurzen Pause waren die Kinder aber sofort wieder erholt, aktiv und auf der Suche nach Action. Es folgte also ein Ausflug zu dem Wasserfall „Poso Azul“, welcher sich als eigentliches Highlight rausstellte. Die tic@s beschäftigten sich satte 1 ½ Stunden mit dem Tarzan Swing und sprangen unentwegt in den erfrischenden Pool. Für uns ein gelegener Zeitpunkt um ein wenig im Schatten des Dschungels von den Surfstrapazen zu entspannen.

Bei Wiederankunft im Camp bereiteten wir das Abendessen vor. Nudeln mit deftiger Tomaten- Gemüse Soße war genau das richtige nach dem harten Tag. Aber als ob es kein Ende geben würde waren die Kinder nun auch noch skatewütig. Also ab ins „Tortilla Flat“. Eine Strandbar mit eigener Mini im Hinterhof. Nach 2 stündiger Session waren auch endlich die Kinder geschafft und wir gingen zurück zum Lager. Dort beendeten wir den Tag mit einem Lagerfeuer, einer Reflexion und einem kleinen Rückblick auf die Surf- und Skatekultur.

Der nächste Tag wurde mit einem deftigem Frühstück am Strand begonnen, bevor es dann nochmal zum Wasserfall ging. Die Kinder konnten einfach nicht genug von dem Tarzanswing bekommen. Gegen Mittag aber, machten wir uns zurück auf den Weg nach San Isidro. Alles verlief reibungslos, kein Kind wurde verletzt, die Zelte hielten dicht und der Trip war absolut gelungen.

Zurückblickend halte ich das Surfcamp als eine der erfolgreichsten Maßnahmen während meiner Zeit bei Pura Vida und trage unglaublich schöne Erinnerungen davon mit. Mit minimalem Budget konnten wir den Kindern einen solchen Trip ermöglichen und sie zumindestens kurz an einer, wie ich finde, unglaublichen Sportart teilhaben lassen. Die Elterngespräche waren ebenfalls eine Bereicherung fürs gesamte Projekt. Hier wurden nicht nur Ängste und Zweifel relativiert, sondern auch erste Kontakte mit den Elternteilen geknüpft, die für die weitere Arbeit im Projekt sehr wichtig ist. Während der gesamten Exkursion konnte ich feststellen, dass eine sehr harmonische Interaktion zwischen den Kindern aber auch zwischen Betreuer und Kind herrschte. Die Kinder erzielten schnelle Erfolgsergebnisse, stärkten ihr Selbstbewusstsein und die Gruppendynamik. Aus dem pädagogisch professionellen Blickwinkel eignet sich also ein Surfcamp besonders für die Arbeit mit Kindern.

Ich bin froh diesen nicht ungefährlichen Trip gewagt zu haben und danke Barney, Burro, Zoe, Sri, Celine und allen die Pura Vida unterstützt haben!

Timo Kliche

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