Fotografie Workshop

Mittlerweile ist einige Zeit vergangen, seit ich mich mit Tobi – von Kolumbien aus – auf den Weg nach Costa Rica gemacht habe, um das ‘puravida-projekt’ zu unterstützen. Den Haufen Anekdoten über abgefahrene, durchgeknallte und wunderbare Erlebnisse, denen wir auf unserer Reise begegnet sind, kann ich an dieser Stelle nicht herausdrücken. Es sei aber zumindest gesagt, dass uns zwei Dinge stets begleitet und getrieben haben: Skateboarding und Photographie…

Skateboarding und Photographie!

Ich erinnere mich noch genau daran, als Chris vor einer kleinen Ewigkeit mit der Vorbereitung für den Bau des Betonparks begonnen hat. Wie viele andere auch hab ich stets damit gehadert nicht dabei sein zu können, das alte Prioritäten-bla-bla… Als wir uns dann vor etwas mehr als drei Monaten wieder getroffen haben, war eigentlich schon klar, dass wir etwas tun werden. Ich wollte eh nach Kolumbien, warum also nicht in San Isidro vorbei schauen und das Projekt pushen?

Als überzeugte, militant-pazifitische Feinde der Grenzen dieser Welt hat uns Skateboarding in unseren Ansichten bestätigt und auch belohnt. Ob in Bogota, Medellin, an Tramp-Spots zwischendurch oder eben in San Isidro – wir wurden überall mit offenen Armen empfangen und unmittelbar in den Kreis der Locals eingebaut. Trotz einer kleinen Sprachbarriere wurden Hindernisse aus dem Weg geräumt und viele Freundschaften geschlossen, manche fürs Leben.

Mauern werden gebaut, damit wir sie einreissen – Oder wir betonieren einen Skate-Spot oben drauf. Das haben Chris und alle Mädels und Jungs, die das Ding mit hochgezogen haben einfach mal gemacht. Und das Ergebnis ist ne Wucht, die Engländer würden wohl “hysterical” dazu sagen. Die Liebe zum Beton (offensichtlich ein Resultat der vielen Ex-DDR-ler, die hier rumgewerkelt haben) hat sich hier in vollendet grauer Romantik manifestiert und nahtlos ins Landschaftsbild eingepasst – Farben, Bäume, Mülltrennung, keine Kippen-Stummel.
Neben Skateboarding gehört Photographieren in die Suppe. Bei manchen köchelt sie vor sich hin, bei uns kocht sie. Und ab und an sollte man ein Brikett nachlegen und den Kessel so richtig zum Kochen bringen. Diese entzückend-dämliche Metapher bringt mein Herz gerade zum Hüpfen und euch hoffentlich zum Kotzen.

Lassen wir den lyrischen Brech-Durchfall bei Seite: Wir hatten drei Kameras im Gepäck, von denen meine Liebste die „brutalo-Motorschaden-Grenzüberquerung-Kolumbien-Panama“ nicht überlebt hat. Ich werde unser “Equipment” an dieser Stelle nicht auflisten, da ich der Meinung bin, dass es so was von nicht drauf ankommt, wer das tollste, neueste, stärkste.. Zeug sein eigen nennen darf. Meine pseudo-philosophische Sicht auf die Dinge ist viel mehr die Frage nach der Einstellung zum Photographieren und einem Gefuehl, das sich schwer in Worte fassen lässt. Wer sich mit einer fetten Kamera bewaffnet und wie mit einem Maschinengewehr seine Umgebung niedermäht hat definitiv was falsch verstanden. Schaffst du es deinen Bildern eine Aura/Seele zu geben kannst du etwas erschaffen, das wertvoll und eimalig ist. Technisch perfekte Bilder sind scheisse! Diese Einstellung haben wir versucht an die Jungs in San Isidro weiterzugeben und einen Workshop veranstaltet.

Um 12 Uhr war es soweit, der Workshop konnte losgehen. Im Skatepark waren bereits einige Jungs zu Gange und das Wetter war uns auch freundlich gesonnen, was in subtropischen Breitengraden keine Selbstverständlichkeit ist. Die meisten hatten bereits von dem “Shooting” gehört, trotzdem haben wir erst mal eine Liste herum gegeben, um der ganzen Aktion die nötige Struktur zu geben. Dazu sollte jeder neben seinem Namen ein paar Schlagworte aufschreiben – der thematische Rahmen quasi. Die Einführung lief so ab, das Tobi den Kids den theoretischen Part versuchte näherzubringen. Aufgrund mangelnder Spanisch-Kenntnisse bestand meine Aufgabe darin die einzelnen Bestandteile einer analogen Spiegelreflex-Kamera vorzuführen – ein bisschen wie eine Messe-Hostesse. Wir haben versucht die ganze Bandbreite abzudecken, die im Rahmen möglich war, sprich: das Zurückklappen des Spiegels, Lichteinfall, Öffnen und Schließen der Blende und das Ganze in Abhängigkeit zur Belichtungszeit und der Lichtempfindlichkeit des Films. Wie für mich manchmal das Spanisch kam es den meisten wohl zu Beginn wie Chinesisch vor, trotzdem blieben fast alle am Ball und waren aufmerksam. Mit brachialer Sozialpädagogik haben wir auch die obligatorischen Störenfriede unter Kontrolle gebracht. Um jedem die Möglichkeit zu geben den Umgang mit einer Kamera wirklich zu verstehen, haben wir Gruppen gebildet und sind danach getrennt los gezogen. Als Hilfestellung haben wir nur kleine Hinweise gegeben, damit die Jungs so frei und ungezwungen wie möglich “arbeiten” können. Lange Rede, hier die ersten Ergebnisse:

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