Tagebucheintrag skate-aid

04. – 06.04.2011 Dienstag bis Freitag

Voller Spannung den von uns (skate-aid) als Partner unterstützen „Pura Vida Skatepark“ ins Blickfeld zu nehmen, begann die Reise von Münster nach San Isidro de El General, als um 04:05 Uhr der Wecker klingelte. Dusche, Kaffee und ab zum Flughafen, wo ich erst einmal überrascht wurde.

Auf Grund des Fluglotsenstreiks in Frankreich wurde die Maschine nach Madrid annulliert, was gleichzeitig bedeutete, dass ich den Anschlussflug nach Costa Rica und die anschließende Busfahrt zum Projektort auch vergessen konnte. Also wurde ich umgebucht und sollte den Weg über New York einschlagen. Noch schnell ein Transit Visum für die Amis besorgt und auf das Beste gehofft. Einzelheiten über weitere Verspätungen, Diskussionen am Zoll, wegen den von mir als Spende
mitgebrachten Kugellager, etc., erspar ich euch an dieser Stelle.

Nach einer Nacht in einem viel zu kleinem Bett und die ein oder andere Verständigungsschwierigkeit, durch meine leider nicht vorhandenen Spanischkenntnisse, habe ich dann noch gerade so den Bus morgens um 9 Uhr nach Isidro de El General erwischt. Drei Stunden ging es über den „Path of Death“.
Der Busfahrer hatte wohl das Michael Schumacher Gen. Vor ner Haarnadelkurve noch schnell zwei Autos und einen LKW überholt und solche Geschichten…

In San Isidro angekommen sind Christian, Luise und ich nach einem Kaffee direkt zum Park gefahren. Knaller! Wieder wurde mir bewusst, dass Fotos über die Größe eines Parks immer lügen. 500m² sehen in natura einfach viel geiler und größer aus als auf Fotos.

Eh ist das Gelände für das Projekt optimal getroffen. Neben dem Skatepark liegt ein überdachtes Fußballfeld, und einer der Seminarräume kann kostenlos für Workshops, Treffen, etc. von uns genutzt werden. Da hatten wir mal richtig Glück mit dem Projektort. Zudem befindet sich direkt neben dem Park eine der ärmsten Siedlungen Costa Ricas, womit die Kids endlich sicher ihrer Leidenschaft nachgehen können …

Nach einem starken Regenschauer hat sich der Park zum Abend hin immer mehr mit Leben gefüllt. Wenn man in die Gesichter der Kids geschaut hat, konnte man direkt spüren wie sehr hier auf einen Skatepark gewartet wurde. Als ich die skate-aid Schablone und Sprühdosen raus geholt habe, hatten die Kids richtig Spaß daran, den Park mit Logos zu branden…

06.04. Freitag

Heute Morgen startete die Suche nach einem Café mit Internetzugang. Das Problem am Karfreitag ist, das einfach Alles geschlossen hat. Wir wurden fündig als wir einer Live- Darbietung von Jesus` Passionsweg folgten. Es war wirklich alles dabei: verkleidete Römer, eine trauernde Menschenmenge und natürlich Jesus. Der arme Kerl musste dann auch bei 35 Grad und knallender Sonne das Kreuz schleppen!

Nach einem kurzen Besuch des Skateparks trafen wir am Abend Roland von unserem Projektpartner Vida Nueva. Es fand ein reger Austausch statt und es wurden viele Ideen und Möglichkeiten besprochen. Es ging im Grunde um Skateboard- Workshops, den Einsatz von Volontären, Einbindung der Schulen, die Eröffnungsfeier, Finanzielles, usw.

Bereits jetzt wird deutlich wie viel Glück wir und alle anderen mit der Location für den Skatepark hatten. Die komplette Anlage mit Fußballplätzen, Seminarräumen, usw. wurde von einem Politiker ins Leben gerufen und wird nun mehr oder weniger von dem Verein jovenes salvan jovenes (Jugendliche supporten Jugendliche) betreut. Das Problem war, dass kaum Jugendliche die Anlage nutzen. Es gab keine Volontäre, die sich mit den Kids beschäftigten und untereinander lief nicht viel. Durch den Skatepark ist nun richtig Leben auf der Anlage, was nebenbei auch den Umsatz des Kiosks hat steigen lassen und dieser nun seine Öffnungszeiten verlängert hat. Vida Nueva kann mit den Kindern und Jugendlichen auf dem überdachten Fußballplatz trainieren und auch Vorstellungen geben. Zudem können wir die Seminarräume kostenlos nutzen. Im Gegenzug werden sich Volontäre von Vida Nueva um sinnvolle und regelmäßige Programme in der Anlage kümmern. Uns wurde sogar angeboten, auf dem Gelände kostenlos Volontäre unterzubringen. Dazu kommt noch der enge Kontakt und der Rückhalt seitens der Politik… Es läuft alles in die richtige Richtung und es macht Spaß hier zu sein!

07.04. Samstag

Heute stand die Vorbereitung für die Eröffnungsfeier auf dem Programm. Da es fast den ganzen Tag geregnet hat, konnten wir eh nicht viel anderes machen.

08.04. Sonntag

Eröffnung!!!

Die letzten Tage hier waren super ereignisreich und haben extrem viel Spaß gemacht. Am Sonntag fand die Eröffnung des Skateparks statt: harte Skaterjungs haben Luftballons aufgeblasen, Mariachi rockten zum Skaten ihre Gitarren und Trompeten, zwei lokale Metallbands spielten als Kontrastprogramm, eine Zirkusnummer von Vida Nueva, Kinder haben Decks künstlerisch gestaltet, es gab einen „Bau dein Board zusammen“ Workshop, Skater aus dem ganzen Land kamen zur Eröffnung des ersten Skateparks im Südosten des Landes, Titus war vor Ort und und und…..

Ein richtig geiler Tag, wo jeder der ca. 600 Besucher auf seine Kosten kam.

Leider fing es gegen 16 Uhr dann an zu Regnen und die Party löste sich langsam auf. Aber es war zu spüren, dass die ganze Gemeinde das Projekt annimmt und voll darauf abfährt. Fast jeder Skater hat sich persönlich bei uns bedankt und dessen Eltern haben uns mit Tränen in den Augen in den Arm genommen… Abends haben wir dann dem Anlass entsprechend die Korken knallen lassen. Leider war das Bauteam (Florian Bösel, Arne Fiehl, Alexander Endrullat, das amerikanische Nike Skate-Team) schon abgereist und konnte nicht bei dem Event dabei sein. An dieser Stelle DANKE und die besten Grüße!

09.04. Montag

Nach der grandiosen Eröffnung gestern stand heute die Reparatur von dem 1984 Toyota Hilux (mit einem Hyundai Grace Motor und Holzladefläche) auf dem Programm. Das Ganze hat damit begonnen, dass wir mit dem Bus ins 35km entfernte Dominical fahren mussten. Luise und Christian sind dann noch vor Fahrtbeginn aus dem Bus geflogen, weil Sie ihren Hund Nunca als Schwarzfahrer
in den Bus schmuggeln wollten. Aber Hunde sind in Costa Rica unter keinen Umständen im Bus erlaubt. Hunde werden eher als günstige Variante einer Alarmanlage angesehen und sind dementsprechend 24/7 im Zwinger oder an der Leine angekettet. Mmh! In Dominical haben wir dann Titus getroffen. Er hat in einer 5 Stunden Aktion mit Leatherman und Gaffatape das Auto erst einmal
wieder fahrbereit gemacht! Geile Nummer!

10.04. Dienstag

Nach einer Nacht am Strand und gefühlten 1000 Mückenstichen ging es zum Arbeiten in die Strandbar mit Kaffee- Flat und Meerblick. Es gibt schlimmere Büros… Dann stand eine der extremsten Autofahrten meines Lebens an! Das von Titus geflickte Auto musste über die Berge nach San Isidro zur Werkstatt gebracht werden. Probleme mit dem Motor, Regen, Nebel, Dunkelheit und bescheuerte Autofahrer erschwerten die Überfahrt ungemein. Aber wir haben es mit dem einen oder anderen Adrenalinkick geschafft…|

11.04.2012 Mittwoch

Heute stand ein Besuch von einem Projekt vom Vorstand unseres Projektpartners Vida Nueva an. Zuerst fuhren wir zu der „neuen“ Zirkusschule. Dann ging es in die Berge nach Longo Mai. Dieses Projekt war der Grund warum Roland in den 70er Jahren von Österreich nach Costa Rica ausgewandert ist. Es ging dabei um ein Hilfsprojekt für Flüchtlinge. Die Idee dahinter war, den Flüchtlingen direkt bei Ankunft zu zeigen, wie Sie selbstständig Landwirtschaften können, um so unabhängig zu sein. Das Projekt war ein voller Erfolg und heute ist daraus ein kleines Dorf mit 500 Bewohnern entstanden. Diese wirtschaften und versorgen sich völlig autonom über den Anbau von Kaffee, Bohnen, Mais, sehr gefragten Hölzern und vielen weiteren Kräutern. Ein tolles Projekt!

Donnerstag bis Montag

In den letzten Tagen stand der Fokus wieder auf Projektarbeit. Zum einen haben wir ein Kreditsystem entworfen. Es geht darum, dass wir das Skateboard- Material den Kids nicht einfach schenken wollen. Denn das ist der absolut falsche Weg mit den Kids zu arbeiten. Bereits jetzt wurden wir jeden Tag nach kostenlosem Stuff gefragt. Aber im Leben bekommt man sonst auch nichts umsonst und wir wollen ja Werte und Verantwortungsbewusstsein vermitteln. Bei dem Kreditsystem geht es also darum, dass die Kids Punkte ansammeln können. Das Punktekonto wächst, indem man an Umweltaktionen teilnimmt, bei der Pflege des Parks mitarbeitet, sich sozial engagiert, lebensweltorientierte Workshops besucht, usw. Diese Punkte können dann gegen Hardware, Ausflüge, etc. eingetauscht werden und die Kids realisieren, dass sich der Einsatz für eine Sache lohnt…

Die letzten zwei Tage haben wir dann noch etwas Land und Leute kennen gelernt, um einen besseren Einblick in die Lebensweisen und die Kultur des Landes und seiner Bevölkerung zu bekommen.

Am Montag startete dann die 31 stündige Heimreise nach Deutschland!

Abschließend kann ich sagen: Was für eine geile Projektreise. Wir haben in San Isidro ein extrem sinnvolles Projekt mit einem perfekten Umfeld erschaffen, ich habe super nette Menschen getroffen und konnte ein wenig von der umhauenden Natur bewundern.

Danke an das gesamte Team vor Ort und around the world, die dieses Projekt mit skate-aid und Christian Petzold realisiert haben!!!!

Pura Vida!

Torben

Fotos: Torben Oberhellmann

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